Buchvorstellungen

Buchrezension | Mami, ist das vegan? von Jumana Mattukat

Weder bin ich eine Mutter noch esse ich vegan, aber neugierig gemacht hat mich der Titel Mami, ist das vegan? dennoch. Bei diesem Taschenbuch handelt es sich um einen Erfahrungsbericht der Journalistin und Mutter Jumana Mattukat. Erschienen ist es im J. Kamphausen Verlag und kostet 16,95 EUR. Ich lese gerne, besonders gerne, wenn sich dabei für mich die Möglichkeit bietet, über meinen Tellerrand zu schauen und Einblicke in das Leben anderer zu erhalten. Oft bekomme ich so auch Inspiration für mein eigenes Tun (und auch Lassen). Gewährt wird einem in diesem Fall ein Einblick in das vegane (Familien-)Leben von Jumana Mattukat.

Aus Liebe zu den Tieren und als Protest gegen all das Tierleid hat sie für sich beschlossen, fortan vegan zu leben. Auf dem Klappentext heißt es hierzu weiter: Dabei ist sie hin- und hergerissen: Auf der einen Seite stehen die erschütternden Ergebnisse ihrer Recherchen zu Massentierhaltung, Milch- und Fleischproduktion sowie ihr Bedürfnis, ihre Kinder gesund zu ernähren. Auf der anderen Seite steht der Wunsch, Teil einer ganz normalen Familie zu sein und nicht ausgegrenzt zu werden. Aus diesem Zwiespalt ist ein ehrlicher Erlebnisbericht entstanden, der von Perfektionismus und Ausnahmen, vom Stehen zu sich selbst und den eigenen Werten, von Kompromissen und dem Wunsch nach Harmonie am Esstisch erzählt.

Bevor man allerdings erfährt, wie es Jumana Mattukat ergeht, gibt es noch ein mehrseitiges Vorwort von Ruediger Dahlke. Je mehr ich hier allerdings das Gefühl hatte, dass mein Gegenüber mit erhobenem Zeigefinger am Schreiben war, und je mehr es zudem um sein eigenes Buch ging, desto schneller habe ich gelesen. Zu missionarisch anmutende Texte sind einfach nicht meins.

Buchrezension | Mami, ist das vegan? | food-vegetarisch.de

Der eigentliche Erfahrungsbericht ist geschrieben in einem Tagebuchstil: Viele, meist sehr kurze Abschnitte zu den verschiedenen Themen wechseln sich ab, die ich als sehr angenehm zu lesen empfand. Wobei mir auch der Schreibstil sehr gefiel. Beim Lesen hatte ich mich oft gefühlt, als wenn mir eine gute Freundin von ihrem Leben und ihren Erfahrungen als Veganerin erzählen würde. Und genauso wie im realen Leben gab es bei mir auch beim Lesen gelegentliches Verwundertsein über manches beschriebene Verhalten der Autorin, bei dem ich dachte, dass man es sich manchmal selbst unnötig schwer machen kann. So empfand ich ihre Gedanken zu ihrem Vegan Coming-Out gegenüber ihr nahestehenden Menschen doch etwas übertrieben und habe mich gefragt, warum sie ihre Mitmenschen so unterschätzt in Bezug auf deren Offenheit und Toleranz anders Essenden gegenüber.

Ein wenig oft schreibt mir Jumana Mattukat auch von ihrer persönlichen Motivation, warum sie beschlossen hat, Veganerin zu werden. Dies weckt ein wenig den Eindruck, als wenn sie selbst noch dabei wäre, sich zu überzeugen, dass es für sie eine richtige Entscheidung gewesen sei, vegan zu leben. Aber gestört haben diese Wiederholungen meinen Lesefluss auch nicht, da es nicht sehr missionarisch gehalten war. So finde ich auch ihre Aufforderung, seine (Ess-)Gewohnheiten immer mal wieder zu überdenken, völlig ok. Hier gefällt mir auch, dass es von ihr keinen erhobenen moralischen Zeigefinger gegenüber Nicht-Veganern gibt.

So werde ich sicherlich auch nach der Lektüre dieses Buchs weiterhin eine Genuss-Vegetarierin bleiben, die Gemüsegerichte liebt, gerne Butter und Parmesan beim Kochen verwendet, um Tofu einen Bogen macht und vegane Fleischersatzprodukte gar nicht mag, weil mir diese einfach zu sehr verarbeitet sind. Übrigens meidet Jumana Mattukat auch als Veganerin solche Fleischersatzprodukte aufgrund ihrer Rechercheergebnissen zu einer ausgewogenen veganen Ernährungsweise. Wobei ich jetzt aber nicht beurteilen mag, wie vollständig die Ergebnisse sind, vor allem vor dem Hintergrund, dass ich inzwischen durch diverse Dokumentationen und Berichte immer mehr den Eindruck gewonnen habe, dass man letztlich zu fast jeder Aussage auch eine gegenteilige findet. Aber dies Buch hat auch nicht den Anspruch, ein Rundum-Ratgeber für das Vegan werden zu sein. Vielmehr beschreibt hier eine Mutter einfach, wie es ihr dabei ergangen ist, und zusätzlich teilt sie die Informationen, die sie sammeln konnte, zu den verschiedenen Themen wie z. B. kochen mit Soja oder ein möglicher Vitamin B12 Mangel.

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Ergänzt wird das Buch noch durch 33 vegane und besonders familientaugliche Lieblingsrezepte der Autorin, wobei mir die Auswahl gefällt. Allerdings habe ich hier auch keine besonders ungewöhnlichen Kreationen erwartet, sondern leckere einfache Familienkost. Und die Spaghetti im schwarzen Linsen haben nicht nur mir sondern auch dem Mann meines Vertrauens so gut geschmeckt, dass ich beschlossen habe, dem Rezept noch einen eigenen Post zu widmen.

Wer sich nach der Lektüre noch weiter über Aspekte eines veganen Lebens informieren möchte, findet im Anhang außerdem sämtliche Quellenangaben aus dem Buch und weiterführende Adressen und Weblinks.

Gerne habe ich das Buch gelesen, auch wenn einige Wege nicht die meinen sind. Aber den Preis von 16,95 EUR empfinde ich im Vergleich zu anderen Taschenbüchern als etwas hoch: vor allem vor dem Hintergrund, dass die Wahrscheinlichkeit recht groß ist, dass man, anders als z. B. bei einem Ratgeber oder Kochbuch, dieses Buch nur einmal lesen wird.

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Vielen Dank an Blogg dein Buch und an die J. Kamphausen | Mediengruppe, die mir dieses Buch zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung bleibt davon allerdings, wie immer, unberührt.

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5 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Ha ha! Ich habe mir gerade meine Mutter vorgestellt, wie sie mir erklaert, das nur die Vegane Ernaehrung, die richtige ist. Ne das passt so gar nicht…
    Wie du bin ich auch ein Genuss-Esser und da gehoert Butter, Eier und Kaese einfach dazu.
    Interessant zu lesen waere das Buch trotzdem, einfach schon weil mich die Beweggruende interessieren wuerden, denn ehrlich gesagt, habe ich noch nie einen Veganer getroffen, der auch langfristig dabei geblieben ist.
    Liebste Gruesse
    Eva

    1. Ja, das war auch genau mein Motiv, warum ich mich bei Bloggdeinbuch für dies Buch beworben hatte, einfach um mögliche Beweggründe aus erster Hand zu erfahren. Denn Veganer habe ich bislang noch gar nicht getroffen, nur welche, die am Überlegen waren, mit veganer Ernährung zu beginnen.

  2. Centi sagt:

    Interessant – ich hab das Buch auch rezensiert und fand es kurz vor unerträglich. ;-)
    Immer wieder bemerkenswert, wie unterschiedlich man Bücher wahrnimmt!

    1. Nun ja, brilliant fand ich das Buch nun auch nicht ;-) Aber bei mir gab es dann doch 3 von 5 Sternen, da es für mich (unter Berücksichtigung meines veganen Erfahrungsschatzes) dennoch lesenswert war. Ob’s anders gewesen wäre, wenn ich bereits mehrere vegane Erfahrungsberichte gelesen hätte, wer weiß…
      Deine Rezension, die ich mir bereits vor einiger Zeit angeschaut hatte, fand ich übrigens auch sehr lesenswert!

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