Food-Fotografie Tipps für Einsteiger | Kunstlicht mit Minimalausstattung

Food fotografiere ich am liebsten mit Tageslicht. Einen Einblick dazu habe ich kürzlich auch hier gegeben. In den letzten Monaten hat es allerdings nicht immer geklappt, dass es, wenn ich endlich zum Fotografieren kam, draußen noch hell genug war. So sind z. B. die Aufnahmen für das Linsen Moussaka und die Haferbällchen mit einer großen Softbox mit Dauerlicht und 1-2 Styroporplatten als Reflektor entstanden. Eine sehr gute und ausführliche Beschreibung, wie man natürliches Licht mit Studioblitzlampen erzeugen kann, findet sich übrigens auf dem Blog von sabrina sue.

Ich selbst wollte jetzt allerdings wissen, wie gut können die Ergebnisse sein, wenn man als Lichtquelle eine ganz normale Schreibtischlampe nutzt. Dabei hat mich das Endergebnis so positiv überrascht, dass es nun diesen Beitrag gibt. Denn so könnt auch ihr sehen, wie weit man bereits mit einer sehr einfachen Ausstattung kommen kann.

Einfache Ausstattung für das Fotografieren mit Kunstlicht

Zubehoer fürs Fotografieren mit Kunstlicht | food-vegetarisch.de

Konkret bestand meine Ausstattung aus einer Schreibtischlampe von Ikea, einer 40 Watt Halogenbirne*, da dieses die höchste Leistung war, die die Schreibtischlampe erlaubte, einem Diffusor (als 5 in 1 Faltreflektoren Set)* und einer Styroporplatte. Als „Location“ hatte ich wieder das Treppenhaus bei meinem Freund gewählt und als Modell eine Schale mit Obst auf einem alten Backblech.

Für eine Halogen-Glühbirne habe ich mich übrigens wegen des guten Preis-Leistungs-Verhältnisses entschieden. Denn sie liefert zu einem recht günstigen Preis einen guten Farbwiedergabeindex. Zwar gibt es auch LED Lampen mit einem guten Farbwiedergabeindex, allerdings sind diese meist deutlich teurer als vergleichbare Halogen-Glühbirnen. Und der Vorteil eines guten Farbwiedergabeindex ist, dass man später bei der Bildbearbeitung meist nur den Weißabgleich verändern braucht, um ein Ergebnis zu bekommen, das dem Fotografieren bei Tageslicht nahe kommt.

Kameraeinstellung

Fotografiert habe ich auch diesmal wieder im Raw-Format bei eingestelltem Av Modus und manuellem Fokussieren (MF), wie bereits im Beitrag über die Tageslichtfotografie beschrieben.

Food-Fotografie ohne Diffusor

Mein Aufbau, den ihr auch weiter unten auf dem Foto sehen könnt, sah zunächst so aus, dass ich die Schreibtischlampe links von dem Backblech mit der Obstschale platziert habe und einmal ohne Reflektor und einmal mit Styropor-Reflektor auf der gegenüberliegenden Seite fotografiert habe. Den Einfluss des Reflektors kann man dabei unten rechts gut erkennen, da die Schatten deutlich aufgehellt sind. Allerdings sind die Schatten in beiden Fällen sehr klar abgegrenzt.

Food Fotografie mit Kunstlicht | food-vegetarisch.de

Food-Fotografie mit Diffusor

Da mir diese harte Abgrenzung der Schatten nicht so gut gefiel, habe ich noch zusätzlich einen Diffusor zwischen Lampe und Modell platziert. Wie man auf dem Foto weiter unten sehen kann, habe ich den Diffusor sehr dicht an das Modell platziert, aber mit etwas Abstand zur Lampe. Hier kann man auch gerne etwas mit den Abständen experimentieren, man sollte nur aufpassen, dass der Diffusor nicht zu lange zu dicht an der Lampe steht, da es sich in diesem Fall ja um eine ganz normale Lampe handelt, die natürlich auch umso wärmer wird, je länger sie an ist. Auch hier habe ich wieder mit und ohne Reflektor fotografiert.

Einfache Food-Fotografie mit Kunstlicht | food-vegetarisch.de

Hilfsmittel für den Weißabgleich

Außerdem habe ich noch eine Aufnahme gemacht, bei dem ich den SpyderCube* von Datacolor in den Aufbau gestellt habe. Hierbei handelt es sich um ein ganz praktisches Hilfsmittel zur Bestimmung des passenden Weißabgleichs, dem ich vor einiger Zeit auch schon einen eigenen Beitrag gewidmet habe. Das Praktische an dem 4 cm großen SpyderCube ist, dass seine Flächen schwarz, weiß und neutral grau sind, und er sowohl über eine Aufhängeschlaufe also auch über eine Standfläche verfügt.

01141216-kunstlicht-fotografie-c3

Um nun den Weißabgleich einzustellen, wechsel ich, sobald ich die Fotos in Lightroom importiert habe, in das Modul Entwickeln. Denn die Einstellregler und die Pipette für die Weißabgleichauswahl befinden sich in diesem Modul oben im Abschnitt Grundeinstellung. Dort aktiviere ich mit dem Cursor zunächst die Pipette und klicke dann auf die der Lichtquelle zugewandten grauen Fläche. Lightroom stellt daraufhin die Farbtemperatur und -tönung automatisch so ein, dass die angeklickte Fläche in einem neutralen Grau erscheint. Meist gefällt mir die so gefundene Einstellung bereits sehr gut. Und wenn nicht, dann ändere ich halt die Farbtemperatur und/oder Farbtönung noch ein wenig nach meinem Geschmack, um dann die endgültige Einstellung auch auf die übrigen Bilder zu übertragen, was in Lightroom sehr einfach geht.

Neben dem Weißabgleich (WA) habe ich außerdem noch die Belichtung erhöht, die Lichter abgedunkelt und die Tiefen und Weiß erhöht. Außerdem habe ich dem Bild etwas mehr Biss verliehen, und zwar sowohl durch Erhöhung der Klarheit und der Dynamik als auch des Kontrasts mithilfe der Gradationskurve.

Um das Ergebnis letztlich so gut wie möglich beurteilen zu können, habe ich den Aufbau auch noch einmal bei Tageslicht fotografiert, sprich eins der beiden nachfolgenden Bilder ist bei „Schreibtischlampenlicht“ entstanden und das andere bei Tageslicht. Wer mag, kann gerne einen Tipp abgeben, welches das Tageslichtbild ist. Die Auflösung gibt es dann später in den Kommentaren.

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Und falls ich den einen oder anderen motivieren konnte, jetzt ein bischen mit Kunstlicht zu experimentieren, würde ich mich freuen.

Liebe Grüße, Eva

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13 Kommentare

  1. Hallo liebe Eva!
    Wunderbarer Beitrag zum Thema Foodfotografie. Ich finde du hast es genau auf den Punkt getroffen.
    Sehr schön finde ich auch deine Ausführung zum Einsatz einer normalen Bürolampe.
    Das erinnert mich an die Zeit, als ich noch mit großen Baulichtlampen herum experimentiert habe.
    Leider wurden die immer recht schnell sehr heiß;-)

    Danke für den schönen Beitrag und die Verlinkung.

    Ganz liebe Grüße
    sabrinasue;-)

    • Hallo liebe Sabrina Sue,
      hab ganz lieben Dank für das tolle Feedback!!
      Und dass ich außerdem bei dir etwas Erinnerungen an deine Baulichtlampen-Phase wecken konnte, freut mich :-)
      Herzliche Grüße,
      Eva

  2. Wieder ein wunderschöner Post. Mit Spannung lese ich immer Deine Ausführungen. Ich bin erstaunt, wie gut die Aufnahmen geworden sind und dies nur mit einer Schreibtischlampe. Auf jeden Fall probiere ich das aus, denn bisher traute ich mich noch nicht an Kunstlicht heran, weil ich dachte, mit so einer normalen Lichtquelle funktioniert es nicht zufriedenstellend.
    Vielen Dank und viele Grüße
    Sigrid

    • Hallo Sigrid,
      das freut mich, dass dir auch dieser Post gefallen hat :)
      Und fürs Selberausprobieren wünsche ich dir viel Spaß und Erfolg!
      Herzliche Grüße,
      Eva

  3. This is a great post,Eva! I sincerely admire your photography and to know what’s going on behind the scenes is quite inspiring. I see that you work with a 50 mm lens (awesome!). What is your favorite lens? I wonder.
    Greetings from Italy :)

    • Thank you very much for your lovely words, Barbara! And yes, I have indeed a favourite lens which is the Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM. It is the one, with which I took most of my food photos.
      Greetings back to Italy :)
      Eva

  4. Hallo Eva,

    der Post ist klasse und sehr hilfreich! Auch ich muss manchmal abends fotografieren und habe mir deshalb erst eine Softbox gekauft und das geht schon wesentlich besser, als ohne, auch wenn die Lichtquelle etwas schwierig ist bei uns.
    Den Spydercube finde ich aber sehr interessant und werde das mir mal etwas genauer anschauen. Dadurch lässt sich der Weißabgleich sicherlich viel besser einstellen.
    Danke und ein schönes Wochenende!

  5. Hallo Lena,
    ja, der Spydercube ist wirklich sehr hilfreich beim Weißabgleich Einstellen, vor allem weil man ihn überall einfach hinstellen kann. Ein Stück neutralgraue Pappe ginge übrigens auch. Die ist günstiger, wenn auch nicht immer so praktisch in der Handhabung wie der Spydercube :)
    Herzliche Grüße
    Eva

  6. Hallo Eva,

    Vielen Dank für deine hilfreichen Tipps. Ich werde mich mal nach Reflektoren und einer besseren Lampe umschauen. Das würde mir sehr helfen beim Fotografieren mit Kunstlicht.

    LG
    Nika

    • Hallo Nika,
      das freut mich, dass dir die Tipps gefallen! Ich hatte übrigens ein regelrechtes Aha-Erlebnis, als ich das erste Mal mit Reflektoren gearbeitet habe :)
      LG Eva

  7. Dein Beitrag war wieder sehr informativ und inspirierend. Im Endeffekt hilft es mir noch bei einem weiteren Problem – ich brauche einen niedrigen „Aufnahmetisch“ – die Klappkiste ist da ne prima Idee!
    Auf jeden Fall werde ich mal dein Kunstlicht-setup ausprobieren!

    • Das freut mich Melli – vor allem auch, dass ich in Sachen niedriger „Ausnahmetisch“ hilfreich sein konnte :)
      LG Eva

  8. Hallo Eva. Sehr schöner Beitrag. Im Winter habe ich auch immer Probleme beim Fotografieren, daher habe ich mir ein eine Foto Studio Leuchte (inkl Tageslichtleuchte und Softbox) bestellt. Mal sehen wie das so funktionieren wird. Dein Tipp finde ich auch klasse, da es sehr Platzsparend ist und sich die Ergebnisse sehen lassen. Wenn ich mit der Softbox nicht zufrieden bin ist das eine Alternative.
    Was ich fragen wollte: war das deine einzige Lichtquelle?
    Den SpyderCube finde ich auch ziemlich cool, ich habe mir aber eine Graukarte gekauft und bin mit dem Ergebnis zufrieden.
    PS: Foto bei Tageslicht…ich tippe auf links. ist etwas heller.
    LG, Diana

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